Gottesdienste finden (nicht) statt

Beim Aufschlagen des Regionalteils unserer Zeitung finden sich derzeit sehr viele Ankündigungen zu Gottesdiensten allerorten.

Das ist der Kurzfristigkeit geschuldet, da in dieser Coronazeit, vieles nicht von langer Hand geplant, sondern von kurzfristigen Faktoren wie Inzidenzwerten und aktuellen Verordnungen abhängt. Gut, dass die gute alte Zeitung sich hier als ein oft verlässlicher Nachrichtenträger erweist. Die Zeitungslesenden sehen auch, dass es sehr verschiedene Ankündigungen gibt: Gottesdienste finden statt – Gottesdienste finden nicht statt. Begründungen in Boll: mit Alltagsmaske und Abstand Gottes Wort hören. An anderen Orten: aufatmend und erleichternd, dass wieder Präsenzgottesdienst stattfindet oder: Gottesdienst muss ausfallen. Oder: noch keine öffentlichen Gottesdienste in der Seelsorgeeinheit. Oder: der Kirchengemeinderat hat schweren Herzens beschlossen; ein anderer hat aus Überzeugung und um Kontakte zu vermeiden beschlossen.
Es gibt also sehr viele Varianten, Begründungen und entsprechend ist auch die Praxis unterschiedlich. Lokale Gründe, konfessionelle Alleingänge, ökumenische Rücksichten. Alle Varianten lassen sich begründen.
Die Verantwortlichen unserer Kirchengemeinden in der Seelsorgeeinheit Raum Oberndorf haben sich schon vor dem vierten Advent, als die Inzidenzzahlen rasant zu steigen begannen entschieden, bis 9./10.Januar keine öffentlichen Gottesdienste zu feiern. Als kurz vor Weihnachten die Inzidenzzahl auf über 300 schnellte, war für den gesamten Landkreis eine objektive Vorschrift maßgebend.
Neben gültigen Vorschriften, geltenden Regeln und rechter Pflichterfüllung zählen auch Haltungen als Entscheidungshilfen. Appelle und Mahnungen greifen nicht allein auf Vorschriften zurück, sie nehmen die dahinterstehenden Haltungen auf und versuchen sie plausibel und überzeugend weiterzugeben, z.B., dass die Lage ernst ist und dass wir sie folglich auch ernst zu nehmen haben. Eine weitere Haltung ist jene, dass wir in Freiheit unsere Religion ausüben dürfen und das als lebensrelevanten und haltgebenden Bereich anerkennen und nicht verbieten dürfen. Aber Gott sei Dank gibt es verschiedene Möglichkeiten seinen Glauben zu leben, nicht nur im Gottesdienst.
Solange also Vorsichtsmaßnahmen greifen und Menschen nicht in Gefahr gebracht werden, so hat die Landesregierung zu den religiösen Praktiken Stellung genommen, darf den Religionsgemeinschaften ihre Religionsausübung nicht genommen werden.
Es gilt also abzuwägen und hinter die Zahlen zu schauen. Gesetze, Verordnungen, Regeln und Zahlen sind nur die äußersten Leitplanken. Zusammenleben gestalten und Zusammenhalten braucht mehr: Solidarität, Rücksichtnahme, Stärkung von all dem, was Menschen, vor allem den Schwachen und Gefährdeten Halt gibt und sie mit Sinn erfüllen und schützen kann.
Es bleibt zu wünschen, dass die Macht der Entscheider*innen dem Menschen, dem Einzelnen wie der Gemeinschaft dient.

Sie finden vorerst keinen Gottesdienstplan. Sollten Gottesdienste stattfinden, wird dies tagesaktuell bekannt gegeben.

Pfarrer Martin Schwer