Holz auf Jesu Schulter, GL 291

Anfang April haben wir jetzt die Passionszeit mit der Karwoche. Holz auf Jesu Schulter, GL 291, ist das dazu gehörende Lied des Monats. In gottesdienstloser Zeit können wir es nicht singen.

Immer dienen Lieder auch der Betrachtung. So können wir uns wenigstens in den Text vertiefen und in die Botschaft, die er enthält. Ferner geben wir per homep Gelegenheit, das Lied zu hören und ggf mitzusingen.

Und so lautet das Lied:
Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt,
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!
4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?
6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Vom nach jeder Strophe wiederkehrenden eindringlichen Kyrieruf geht eine festigende und hoffende Kraft aus. Das wird in den Worten und würde auch in der Melodie deutlich.
Das Lied gibt uns eine meditativen Auseinandersetzung mit den drastischen Bildern, die beim Betrachten vorunserem inneren Auge entstehen.
Kreuz und Auferstehung, Tod und Leben – was wir in einem Atemzug aussprechen kön-nen und gewohnt sind oft wie selbstverständlich miteinander zu verbinden, steht doch in einer unauflösbaren Spannung, birgt einen Abgrund in sich.
Das Holz lastet auf der Schulter Jesu und es ist Ausdruck der Schande, des Fluches, der Gottverlassenheit, des Todesschicksals. Das, wofür das Holz steht, lastet bis zum heutigen Tage auf den Schultern der Menschen und erdrückt an vielen Stellen den Glauben an das Leben, das Vertrauen in eine gute Zukunft, die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit.
Ein österlicher Durchblick auf die „Fruchtbarkeit“ des Kreuzes Jesu ist nichts anderes als ins Bild gehobener Glaube. Es ist die schwere und kostbare Frucht der Auferstehung, der Proviant auf unserem Weg der Nachfolge. Durch ihn allein verbinden sich Tod und Leben. Ein solcher Glaube ist Geschenk, nie selbstverständlich, nie fertig, immer wieder ange-fochten und bedroht. Deshalb die im Lied ausgedrückte Bitte an Gott, um Friede in unse-ren Herzen und in der Welt, Friede als Sinnbild für das Ruhen in der Zuwendung Gottes. Die Bitte um Vertrauen, wenn wir die Widersprüchlichkeiten in unserer Welt wahrneh-men, die so oft wie Totenkläger auftreten gegen unsere Hoffnung. So wird dieses Lied auch in der Dynamik unserer Tage, wo eine schlechte Nachricht die andere jagt zum Aus-druck jenes entlastenden Hoffnungswortes aus dem Matthäusevangelium: Kommt alle zu mit die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. (Mt 11, 28). In der letzten Strophe steht, was es erquicklich zu essen gibt.
Pfarrer Martin Schwer