Lied zu Ostern: Gl 800 „Seht, der Stein ist weggerückt“

In diesem Beitrag sind Gedanken enthalten von Prof Dr. Meinrad Walter, gesprochen am 28.4.2019 im SWR 2 zum „Lied des Sonntags“

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Ostern feiere ich anders als sonst.
Nichts ist mehr, wie es war.
Alles hat sich durch die Corona Pandemie verändert.
Aber auch viele andere, oftmals schlimme Situationen verändern mein Leben.
Es ist, wie damals bei den Jüngern, die nicht mehr wussten, wie es weitergehen soll, denn Jesus ist tot! Gekreuzigt! Begraben!

Und doch feiere ich Ostern!
Dieses Jahr anders halt!
Nicht mit festlichen Gottesdiensten, nicht mit festlicher Musik, einfach anders!

Von Ostern handelt das Lied des Monats. Die Melodie hat Diözesanmusiker Walter Hirt komponiert.
Ich lasse mich ansprechen, zuerst vom Halleluja:
„Halleluja“ ist ein Jubelruf, ein besonderes Wort.
Es ist hebräisch und bedeutet „Lobt Gott“.
Ich kann es aber ganz unterschiedlich betonen:
Heißt es „Hallelúja“?
Oder „Hálleluja“ wie in Georg Friedrich Händels „Messias“?
Oder „Hallelujá“ wie im heutigen Lied zum Sonntag.
Die Betonungen werden „ver-rückt“.
So wie am Ostermorgen der Stein vor Jesu Grab – auch er ist weggerückt.


1. Seht, der Stein ist weggerückt,
nicht mehr, wo er war;
nichts ist mehr am alten Ort,
nichts ist, wo es war.
Halleluja, halleluja, …

Lothar Zenetti, der „Frankfurter Dichter-Pfarrer“ hat vor bald 50 Jahren diesen Text verfasst. Ostern heißt für Zenetti, dass alles, was vertraut ist, ins Wanken gerät: „Grab“ ist „nicht mehr Grab“, und „nichts ist“ mehr so, „wie es war“.
Da frage ich mich: Woran kann ich mich noch festhalten, wenn sich nicht nur dies oder jenes verändert, sondern schlichtweg alles?

2. Seht, das Grab ist nicht mehr Grab, tot ist nicht mehr tot.
Ende ist nicht Ende mehr,
nichts ist, wie es war.

„Ende ist nicht Ende mehr“, behauptet dieses Lied.
Wenn ich zurückblicke auf eigene Erfahrungen, dann war manches Ende ein schmerzli-cher Verlust. Mancher Schlusspunkt in meinem Leben wird gesetzt.
Aber mancher Schlusspunkt hat den Weg frei gemacht für einen neuen Anfang.
Weil ich frei wurde für Neues, ohne es schon zu kennen.

Das Neue war dann eine gute, eine österliche Erfahrung.

In dem Lied spielen sogar einige Töne verrückt. Der Rottenburger Kirchenmusiker Walter Hirt führt die Melodie auf neue Wege.
Eigentlich klingt die Tonleiter in D-Dur
Doch wenn die Töne „weggerückt“ werden, etwa so wie Jesu Grabstein, dann klingt es in Fis-Dur.

Ostern ist für mich wie eine neue Melodie, im Halleluja höre ich sie besonders klangvoll.
So ein Halleluja, das immer wieder anders betont werden kann, ermutigt mich, auch die Schwerpunkte in meinem Leben zu verrücken.
Es stürzt so manches auf mich ein, was möglichst sofort erledigt werden muss, und ich will ja nicht „Nein“ sagen. Dabei wäre es besser, wenn ich mir selber klare Ziele setze und dranbleibe, Schritt für Schritt.
Mit diesem Lied hoffe ich, dass Jesus mit mir geht, besonders auch auf steinigen Wegen, so wie heute und dass er uns allen vorausgeht. Grund genug, ins „Halleluja“ mit einzustimmen!

3. Seht, der Herr erstand vom Tod,
sucht ihn nicht mehr hier,
geht mit ihm in alle Welt,
er geht euch voraus.
Halleluja, halleluja, …

Frohe Ostern!
Diakon Thomas Brehm