Statement der vier Bischöfe in Baden-Württemberg zur aktuellen Pandemie-Lage

Freiburg, Karlsruhe, Rottenburg, Stuttgart, 2. November 2020

Liebe Christinnen und Christen in Baden-Württemberg,
unsere christlichen Feste Allerheiligen, Allerseelen und der Ewigkeitssonntag sind Anlässe, uns mit Krankheit und Tod auseinanderzusetzen. Gerade in diesem Corona-Jahr sind Krankwerden und Sterben in unserem Alltag besonders präsent.
In den vergangenen Wochen hat sich die Situation der COVID-Pandemie bei uns dramatisch zugespitzt. Trotz Rücksichtnahme und Fürsorge der meisten Menschen in unserem Land, sind die Infektionszahlen besorgniserregend gestiegen und werden noch weiter steigen.
Das bedeutet, dass wir unsere Begegnungen reduzieren müssen. Kontakte zu beschränken ist schmerzlich, gerade jetzt in den oft tristen Novembertagen. Denn gerade das Miteinander bringt Licht in den dunklen Herbst.
Wir bitten Sie alle nachdrücklich, die neuen einschneidenden Regelungen sehr ernst zu nehmen.
Die Herausforderungen sind groß. Ältere Menschen leben abgeschnitten von ihren Nächsten zuhause in ihren Wohnungen oder in Pflegeheimen. In Zukunft werden noch viele Menschen mehr auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Steigen die Infektionszahlen weiter, kann dies zu einer Überlastung unseres Gesundheitssystems führen. Diese Situation überfordert nicht nur Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Seelsorgerinnen und Seelsorger, sondern letztlich uns alle.
Wir bitten Sie: Verlieren Sie trotz aller Beschränkungen die Menschen in Ihrem Umfeld nicht aus dem Blick – Familienangehörige, die Hilfe brauchen, Nachbarn, die ihre Woh-nung nicht verlassen können, Eltern und Alleinerziehende, die auf Unterstützung angewiesen sind, Menschen, die derzeit keine Arbeit und kein oder wenig Einkommen haben. Ihnen verbunden zu sein und zu bleiben ist Nächstenliebe in Corona-Zeiten.
Wir möchten Sie auch zum Gebet zuhause und in unseren Kirchen einladen. Gerade in Zeiten, die geprägt sind von großer Sorge, Einsamkeit und Verlassenheit, kann Beten uns stärken, trösten und neue Hoffnung schenken. Auch Kirchen sind vielerorts geöffnet, Gottesdienste werden mit den gebotenen Einschränkungen gefeiert. Dafür sind wir dankbar.
Unabhängig unserer konfessionellen Zugehörigkeit bilden wir alle gemeinsam eine Gebetsgemeinschaft, in der wir uns gegenseitig unterstützen und ermutigen wollen. Unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger sind dabei auch in diesen schwierigen Zeiten für Sie da. Für diese Gemeinschaft und diesen Einsatz sind wir sehr dankbar.
Bleiben Sie gesund!
Verbunden mit der Bitte um den Segen Gottes grüßen Sie
Ihre vier Bischöfe in Baden-Württemberg