Synodaler Weg

Im Fastenhirtenbrief hat Bischof Gebhard Fürst neben der KGR-Wahlen den Synodalen Weg zum Anliegen gemacht.

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Der Theologe Thomas Söding, Professor in Bochum hat in Frankfurt eines der Eingangsreferate gehalten, aus dem hier Teile abgedruckt sind.

Liebe Schwestern und Brüder,
mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen kommen wir hier zusammen und beginnen etwas Neues. Es liegt an uns, ob die Synodalversammlung in Zwist und Frust endet oder ob sie unsere Kirche auf dem Weg der Umkehr und Erneuerung voranbringt. Es ist ein Momentum – wir dürfen es nicht verpassen. Wir kommen in einer tiefen Krise der Kirche zusammen, einer tiefen Krise des Glaubens zugleich. Es gibt viel Skepsis gegenüber dem Synodalen Weg. Es gibt auch Misstrauen. Aber viele Menschen sind voller Hoffnung, voller Ungeduld, voller Erwartung, dass wir uns zusammenfinden, und müssten wir uns auch zusammenraufen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Glaube an Gott und das Bild unserer Kirche – sie fallen auseinander, aber sie müssen zusammenpassen. Das ist unsere Verantwortung. Es gibt keinen Synodalen Weg ohne die Umkehr und die Erneuerung der Kirche. Wir müssen bei uns selbst anfangen. … Der Synodale Weg ist ein Prozess, und die Synodalversammlung ist sein stärkstes Antriebsaggregat. Nur weil diese neue Form gefunden worden ist, kann es einen Dialog auf Augenhöhe geben. Wir brauchen Diskussionen, in denen ohne Tabus alle Probleme auf den Tisch kommen, die unter den Nägeln brennen. Wir brauchen Beschlüsse, die konkrete Reformprojekte auf den Weg bringen. Wir brauchen die Beteiligung möglichst vieler in unserer Kirche, wir brauchen ökumenische Solidarität, wir brauchen die Begleitung unserer katholischen Nachbarschaft und unserer Schwesterkirchen weltweit. Wir brauchen die kritische Öffentlichkeit, an der Schnittstelle die Medien.
Bei welcher Aufgabe? „Macht und Gewaltenteilung“, „Priesterliche Existenz“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“, „Leben in gelingenden Beziehungen“ – man könnte tausend weitere Themen nennen. Aber mit diesen vier soll angefangen werden. Alle sind Hotspots. Sie fordern uns, weil sie uns mit Ungerechtigkeit und Missbrauch in der Kirche konfrontieren, mit innerkirchlichen Spannungen und öffentlicher Kirchenkritik, die nicht abgetan werden kann. Keines dieser Themen treibt nur Deutschland um. Keines kann top down abgearbeitet werden. Jedes ist ein Schlüsselthema für die Umkehr und Erneuerung der Kirche. Jedes wird unter den Gläubigen breit diskutiert – oder auch nicht mehr, weil sich so lange nichts geändert hat und angeblich nie etwas ändern werde. Jedes Thema hilft uns, den Glauben in der Welt von heute zu verorten.
Und wie, denkt der Papst, können wir die Versuchungen bestehen und die richtigen Antworten finden? Drei Hin-weise vor allem enthält sein Brief [vom vergangenen Herbst an die Katholiken in Deutschland].
Erster Hinweis: Der Synodale Weg muss ein geistlicher Prozess sein. Die geistliche Dimension steht keineswegs im Widerspruch zu den strukturellen Herausforderungen, die wir zu meistern haben. Sie betrifft auch nicht nur die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, vor allem, wenn Konflikte ausgetragen werden. Die geistliche Dimension öffnet sich uns dann, wenn wir das Wirken des Heiligen Geistes nicht in ferner Vergangenheit oder ferner Zukunft vermuten, sondern hier und jetzt erkennen: in unseren Krisen, in unseren Hoffnungen und Befürchtungen, in unseren Brüchen und Aufbrüchen.
Wenn wir nach dem Wirken des Geistes fragen, müssen wir dann etwa nicht nach mehr Teilhabe der engagierten Gläubigen fragen, nach überzeugenden Priesterbildern, nach stärkeren Rollen von Frauen, nach lebensnaher Sexualethik?
Zweiter Hinweis: Der Synodale Weg braucht einen sensus ecclesiae, einen Sinn für die Kirche als Ganze. Was heißt das? …. Es gibt sehr viel, was wir hier vor Ort in Deutschland ändern müssen und können. Dann gilt: Sehen, urteilen und handeln. Wenn aber etwas eine weltkirchliche Angelegenheit ist? Dann gilt: sehen, urteilen – und nicht etwa nichts tun, sondern unsere Stimme er-heben, die Stimme der katholischen Kirche in Deutschland. Zum anderen heißt kirchlicher Sinn nach der Intention des Papstes: Die Basis muss zu Wort kommen, hier in diesem Raum, aber weit darüber hinaus. Und die Bischöfe werden gefragt, wie sie sich in diesen synodalen Prozess einbringen und wie sie in den Diözesen, die sie leiten, die Beschlüsse umsetzen werden, die diese Versammlung fassen wird. Über Partizipation darf nicht nur gesprochen werden, sie muss praktiziert werden.
Das Priesterbild von morgen, es muss sich heute schon abzuzeichnen beginnen.
Das Charisma von Frauen – es braucht heute Strukturen, um wirken zu können.
Eine Sexualität, die personal integriert ist – wie viele Menschen würden sich freuen, von der katholischen Kirche nicht mit lauter Verboten konfrontiert, sondern mit dem Evangelium der Gottes- und der Nächstenliebe begleitet zu werden?
Dritter Hinweis, der wichtigste: Im Zentrum all unserer Gespräche, schreibt Franziskus, muss das Evangelium stehen, die Frohe Botschaft selbst. „Das Reich Gottes ist nahegekommen.“ „Jesus ist von den Toten auferstanden.“ „Der Geist ist es, der befreit“ – der Glaube an das Evangelium hat uns hier zusammengeführt.
Den Menschen von heute sind wir Rechenschaft schuldig.
Es geht keineswegs nur um die Glaubwürdigkeit der Kirche. Es geht um die Vitalität des Gottesglaubens selbst. …
Liebe Mitglieder der Synodalversammlung,
was wir hier tun macht einige nervös, … Ich setze mit vielen darauf, dass die Verkündigung des Evangeliums auch heute gefragt ist – in neuen Formen, in neuen Strukturen, in einem neuen Weg.