Totengedenken in Corona-Zeiten

Es war der schärfste Eingriff in unsere Bestattungskultur, als per bischöflicher Verordnung am 16. März öffentliche Gottesdienste abgesagt wurden und fortan Trauerfeiern in den Kirchen nicht mehr möglich waren

Auch auf dem Friedhof galten harte und sehr schmerzliche Gesetzmäßigkeiten:
Aufgrund einer Anordnung der Landesregierung galt dann: Die Bestatter und das weitere Friedhofspersonal dürfen nicht mit der Trauergemeinde und nach Möglichkeit auch nicht mit dem Geistlichen in Kontakt treten. Die Bestatter bringen den Sarg bzw. die Urne vor Erscheinen der Trauergemeinde an das Grab und ziehen sich dann zurück. Sie treten dann erst wieder ans Grab [zur Absenkung des Sarges], wenn die Trauergemeinde gegangen ist. Zudem war die Zahl der Trauergäste auf ein Handvoll beschränkt. „...eine sehr schmerzliche Entscheidung, die mir schwerfällt und die wir so noch nie zu treffen hatten“, sagte dazu der Bischof.
Diese beklemmende Situation wurde mit dem Satz „Trauerfeiern und Requien müssen nachgeholt werden.“ aufzulösen versucht. Es wird also eine Zeit geben, in der Trauerfeiern wieder möglich sind und das auch für die in dieser Zeit Verstorbenen.
Diese Zeit sehen wir nun gekommen. In einem Schreiben an die Angehörigen laden wir ein, der Verstorbenen zu gedenken, für sie gemeinschaftlich zu beten und Tod und Auferstehung Jesu Christi zu feiern, als das Geheimnis unseres Glaubens, das wir Christen zum Trost und als himmlische Hoffnung schon jetzt verkünden und preisen.
Dafür gibt es verschiedene Formen:
- Wir feiern für Ihre/ Verstorbenen ein Requiem und vereinbaren dazu einen geeigneten Termin und laden dazu ein.
- Wir gedenken des/der Verstorbenen namentlich in einem der Gottesdienste, die in der Heimatgemeinde gefeiert werden.
- Wir feiern in unseren Gemeinden einen Gedenkgottesdienst für die in der erwähnten Zeit Verstorbenen und laden die Angehörigen und die Gemeinden dazu ein.
Immer muss hierbei besonders darauf geachtet werden, dass für die Zahl der Teilnehmenden genügend Platz in der nach Corona-Bedingungen hergerichteten Kirche ist. Anmeldungen und entsprechende Planungen sind also erforderlich.
Zunehmend und in Ausmaß und Geschwindigkeit verstärkt durch Corona geraten Friedhöfe und der Umgang mit Tod und Trauer aus dem Blick der Öffentlichkeit und wird ganz auf ein kleines privates Umfeld beschränkt. Der Tod verschwindet auch aus dem Blick der Öffentlichkeit der christlichen Gemeinden, zu deren Kern es gehört, Tod und Auferstehung zu verkünden. Gerade deshalb sollten wir nicht darauf verzichten, der Toten ganz absichtlich zu gedenken, bei denen sich alle bis auf eine Handvoll zurückziehen mussten. Die Handvoll waren Angehörige, denen wir als Christen beistehen möchten. „Als Kirche wollen wir den Menschen gerade in dieser schweren Zeit nahe sein und sie begleiten. Das Gebot der Nächstenliebe, Fürsorge und Barmherzigkeit gegenüber Menschen, die besondere Zuwendung benötigen, leitet unser Handeln weiterhin, gerade in dieser schweren und kritischen Zeit“, sagt Bischof Gebhard Fürst.
Deshalb geht die Einladung an Sie alle, diesem Glaubens- und Hoffnungszeugnis durch unsere Teilnahme Gestalt zu geben.

Pfarrer Martin Schwer