„Wer Ohren hat, der höre!“

Willi Hofsümmer erzählt in einer seiner Kurzgeschichten von einem Pfarrer, der an einem Sonntag eine sehr schöne und die Menschen beeindruckende Predigt gehalten hatte. Alle freuten sich auf die Predigt vom kommenden Sonntag und waren sehr erstaunt, dass der Pfarrer wieder genau dasselbe erzählte. So ging es noch vier Sonntage lang. Immer die gleiche Predigt. Die Leute regten sich auf und fragten den Pfarrer, warum er seit 6 Wochen immer dasselbe predige. Der Pfarrer antwortete ihnen: Weil ihr immer noch genau so lebt wie vor 6 Wochen. Wenn ihr das in die Tat umgesetzt habt, was ich gesagt habe, dann sage ich euch etwas Neues.“
Ich finde diese Geschichte passt gut zum heutigen Evangelium.

„Das Gleichnis vom Sämann“ Mt 13, 1-9 – vom Wachsen des Gottesreiches -

Jesus stellt seinen Zuhörern damals und heute das Bild des Aussäens vor Augen. Dabei schildert er, was geschehen kann, wenn ein Bauer Saatgut auf seinen Acker trägt und Körner ausstreut.
Da kommen die Vögel und fressen davon.
Da liegen Steine herum und verhindern die Einwurzelung des Samens.
Da ersticken Dornen und Unkraut das Aufblühen des Samens.
Und trotzdem bestellt der Bauer jedes Jahr wieder neu seinen Acker. Denn er hat die Erfahrung gemacht, dass ein Teil der Saat auf guten Boden fällt und aufgeht und Frucht bringt. Darauf vertraut er. Und darum sät er großzügig, zuversichtlich, vertrauensvoll.

Wir dürfen Jesus, als Verkünder des Wortes Gottes, als diesen Sämann betrachten. Das Erdreich symbolisiert im Gleichnis das Herz des Menschen. Es kommt darauf an, „guter Boden“ für das Wort Gottes zu sein für seine vielfältigen Impulse, Anstöße und Signale im Alltag. Es kommt darauf an, achtsam wahrzunehmen, bereitwillig aufzunehmen, darüber nachzudenken und das Gehörte dann in die Tat umzusetzen. Jesus lädt uns ein, an der Verwirklichung des Gottesreiches mitzuarbeiten. Wenn wir seine Frohe Botschaft hören und uns jeden Tag neu bemühen, sie in die Tat umzusetzen, fallen seine Worte auf fruchtbaren Boden. Ich denke, dies war auch die Botschaft des Pfarrers aus meiner Eingangsgeschichte.

„Wer Ohren hat, der höre!“- und setze das Gehörte in die Tat um!

GR Birgit Müller-Dannecker