In Bewegung. In Begegnung

Zugänge zum Lukasevangelium

Liebe Freunde der ökumenischen Bibelabende,
die ursprünglich vorgesehenen Bibelabende können leider nicht stattfinden. Persönlich haben Sie die Möglichkeit, die Texte zu meditieren und sich durch Begegnungsgeschichten aus dem Lukasevangelium bewegen zu lassen. Zu einigen der Texte werden wir Impulse in Wort und Bild ins Netz stellen.  Schauen Sie auf der Homepage Ihrer Kirchengemeinde vorbei und lassen Sie sich, da wir in Coronazeiten auf Kontakte möglichst verzichten sollen, anhand des Lukasevangeliums von Menschen in Bewegung, die sich begegnen inspirieren, um so auf neue Weise sich, anderen und Gott zu begegnen.

Ihr Plan dazu könnte sich an den geplanten Abenden orientieren:
 

Montag, 18.1.2021Maria und Elisabeth (Lk 1,39-56)
Hüpfen und Hoffen  
Dienstag, 19.1.21Der wunderbare Fischfang und die ersten Jünger (Lk 5,1-11)
Rufen und berufen  
Mittwoch, 20.1.21Der Pharisäer und die Sünderin (Lk 7,36-50)
Geben und vergeben 
Donnerstag, 21.1.21Maria und Marta (Lk 10,38-42)
Hören und Handeln
Montag, 25.1.21Die zehn Aussätzigen und der dankbare Samariter (Lk 17,11-19)
Heilen und danken
Dienstag, 26.1.21Das Gleichnis vom Richter und der Witwe (Lk 18,1-8)
Bitten und beharren
Mittwoch, 27.1.21Die Emmausjünger (Lk 24,13-35)
Kommen und gehen

Handzettel zum Eröffnungsgottesdienst

weitere Gottesdienste zu den Bibelwochen:

Wir laden herzlich ein:

Ök. Lokalgottesdienste:
Sonntag, 24. Januar 2021                 10:00 Uhr
Marschalkenzimmern, ev. Kirche                                        
(Dieser Gottesdienst wird in Echtzeit übertragen:     Homepage: www.ekmw.de)

Sonntag, 31. Januar 2021                 10:15 Uhr
Trichtingen, Cyriakuskirche

Abschluss
Sonntag, 31. Januar 2021                 17:00 Uhr
Altoberndorf, St. Silvester Kirche

Anmeldung!    www.se-oberndorf.drs.de/veranstaltungen oder bei der jeweiligen Kirchengemeinde.

 

Mittwoch, 27.1.2021 Kommen und Gehen

Kommen und Gehen - Impuls zur Bibelstunde

1. Lesen sie die schöne Geschichte der „Emmausjünger“ (Lukasevangelium 24, 13-35) auch wenn Sie sie schon kennen, noch einmal aufmerksam durch.
Ist es ein „Kommen und Gehen“?
Gehen die beiden Jünger doch erst und kommen dann nach Jerusalem zurück, oder kann man das auch von Jesus her lesen, denn er kommt und geht mit und ist dann den Blicken wieder entzogen.
Das ist eine Eigenart des Auferstandenen: Er ist ganz leiblich mit Haut und Haaren, essend und trinkend, sogar mit Wunden, aber das dann auch wieder nicht.
Etwas unerhört Neues ist es mit der Auferstehung, etwas, was wir so wenig fassen können wie die Emmausjünger.

2. Diese Eigenart des Auferstandenen hat der Maler und Pfarrer Sieger Köder, der an sich sehr konkret und anschaulich das biblische Geschehen darstellt, stets so berücksichtigt, dass er den Auferstandenen nicht malt. Das ist leicht, denkt man, etwas einfach nicht zu malen; aber so einfach hat es sich Sieger Köder nicht gemacht, weil er ja durchaus von der Auferstehung und der Gegenwart Jesu in seinen Bildern erzählen will. Darum malt er beispielsweise die Brot brechenden Hände oder das sich im Wein spiegelnde Angesicht oder, wie bei der Emmausgeschichte - so zu sehen auf dem Altar in der Kirche in Rosenberg - den mitwandernden Herrn nur als seinen Schatten. Da sind die beiden unterwegs, werfen aber drei Schatten.
Wie so oft bei Sieger Köder eine großartige theologische Aussage ins Bild gesetzt, anschaulich gemacht. Ein ähnlich raffiniertes Verfahren wendet Christine Oellerich in ihrem Bild „Die Emmausjünger“ an. 
Johannes Beer schreibt dazu:
Wenn wir nun dies Bild vor dem Hintergrund des Lukastextes betrachten, kommt es uns wie eine Bildergeschichte in drei Szenen vor. Natürlich bringen wir auch auf diesem Bild die hellen Formen mit Jesus in Verbindung. Und selbstverständlich sind dann die anderen beiden Formen die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Im ersten Feld, der ersten Szene, bleiben sie traurig stehen und fragen den vermeintlich Fremden, ob er der einzige sei, der das von Jesus nicht mitbekommen habe. Im zweiten Feld, der zweiten Szene, sind die drei zusammen auf dem Weg und Jesus legt ihnen die Schrift aus. Er ist erfüllt vom Licht Gottes und lässt sie teilhaben. Da ist bei ihnen etwas in Bewegung geraten. Im dritten Feld, in der dritten Szene, sind die beiden Jünger wieder allein. Nun haben sie den Strahl von Gottes Licht. Nun sind sie auf dem schnellen Rückweg, um dieses Osterlicht nach Jerusalem zu den anderen Jüngern zu bringen.

3. Wenn nun die Auferstehung etwas so Neues und Unfassbares ist, und wenn sogar die Begegnung mit dem Auferstandenen nicht schon von selbst erschließt, was es damit auf sich hat, sondern die „Augen gehalten“ (Vers 16) sein können, dann stellt sich die Frage:
Was kann mich der Auferstehung gewiss machen? Die Emmausgeschichte gibt auf diese Frage zwei Antworten.

1. das Brotbrechen, das heißt das Abendmahl, der Gottesdienst
2. die heilige Schrift, sie kündet von Gott und seinem „Christus“ von Mose an über die Propheten bis zu den Psalmen.

Das ganze Lukasevangelium gibt im Grunde diese zweite Antwort:
Was es ist mit dem Christus, was mit Jesus geschehen ist, das ist das wovon schon die heiligen Schriften handeln:
Gottes Barmherzigkeit, Gottes Nähe, Gottes Liebe zu seinen Menschen.
Das beginnt schon in den Geschichten um die Geburt Jesu, alles geschieht so, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist, und es geschieht da, wo es der Prophet verheißen hat (in Bethlehem vgl Micha 5).
Die „Erfüllung“ der Schrift, insbesondere der Verkündigung aus dem Buch des Propheten Jesaja, ist das Ereignis, das mit Jesu erstem Auftreten in Gang kommt. So sagt er es bei seiner ersten Predigt in Nazareth (Lk 4, 16-20; vgl Jes 61, 1-2).
So sagt er es auch den Boten des Täufers Johannes, als sie fragen, ob er es ist der da kommen soll. Lk 7, 18-23; vgl z.B. Jes 35, 5).
Das zeigt sich in den Wundertaten Jesu in ihnen spiegeln sich die Wundertaten von Mose, Elia und Elisa.
Und schließlich ist auch sein Tod, sein Leiden und Sterben, sowie die Auferstehung längst in den Schriften vorhergesagt. Dreimal macht Jesus im Lukasevangelium darauf aufmerksam, dreimal konnte man es nicht begreifen: Lk 9, 22; Lk 9, 44-45; Lk 18, 31-34.
Ähnlich wie auf dem Weg nach Emmaus, erfahren wir nicht die genaue Schriftstelle, in der Jesus seinen Tod vorausgesagt sieht;
es sind wohl doch einige: In Lk 11,29-32 spricht Jesus vom Zeichen des Jona, bei seiner Kreuzigung scheint allenthalben Psalm 22 durch; in der Apostelgeschichte des Lukas wird dann die Bibel tatsächlich an einer der dafür wichtigsten Stellen aufgeschlagen:
Der Kämmerer aus Äthiopien liest Jes 53, 7-8 und Philippus öffnet ihm die Schrift unter ähnlichen Umständen wie Jesus den Emmausjüngern (Apg 8, 26-40). Hier wird die schöne Wechselwirkung klar: was in Jesus geschieht, erklärt sich aus dem Alten Testament und das Atle Testament erklärt sich aus dem, was in Jesus geschieht.

Pfarrer A. Beck, Trichtingen

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Dienstag, 26.1.2021 Bitten und Beharren

Lk 18, 1-8 Bitten und Beharren

Eine Betrachtung zum Gleichnis vom Richter und der Witwe
oder: von der hartnäckigen Witwe und einem skrupellosen Richter.

1 Jesus sagte seinen Jüngern durch ein Gleichnis,
dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:

2 In einer Stadt lebte ein Richter,
der Gott nicht fürchtete
und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.

3 In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam
und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher!

4 Und er wollte lange Zeit nicht.

Dann aber sagte er sich:
Ich fürchte zwar Gott nicht
und nehme auch
auf keinen Menschen Rücksicht;

5 weil mich diese Witwe aber
nicht in Ruhe lässt,
will ich ihr Recht verschaffen.
Sonst kommt sie am Ende noch
und schlägt mich ins Gesicht.
Der Herr aber sprach:
Hört, was der ungerechte Richter sagt!

7 Sollte Gott seinen Auserwählten,
die Tag und Nacht zu ihm schreien,
nicht zu ihrem Recht verhelfen,
sondern bei ihnen zögern?

8 Ich sage euch:
Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.

Wird jedoch der Menschensohn,
wenn er kommt,
den Glauben auf der Erde finden?

Das Problem: Im letzten Satz (Lk 18,8) wird deutlich: Die Leser des Evangeliums sind sich unsicher. Wird alles so kommen? Wird der Menschensohn wiederkommen. Können wir das glauben, wovon wir sprechen: „… bis du kommst in Herrlichkeit?“ Hatte Jesus mit seinen Worten recht?
Die Lösung: beten und nicht nachlassen zu beten (Vers 1). Dem Beten ist nichts vorzuziehen. Beten bringt den Glauben zum Ausdruck und hält ihn lebendig (Vers 8).
Du kannst mal probieren, nur V 1 und V 8b zu lesen und das auf dich anzuwenden.
Der Weg aber wie soll das gehen?
Schau hin, dieser Richter: Die Bibel verkündet keine Lehren. Sie erzählt und will im Erzählen Einsicht und Klarheit erzeugen. Dazu nutzen Lukas/Jesus drastische Mittel und gehen mitunter befremdlich vor. Jesus stellt einen Richter vor, der das absolute Gegenbild zu Gott ist. Ein Richter voll Willkür und Eigennutz, gottlos und respektlos. Das sagt dieser von sich, das sagen alle anderen von ihm, so ist er tatsächlich und er scheut
sich auch nicht, so von sich zu denken! Er erregt die Gemüter. Er ist ein unmoralischer. ein vollkommen skandalöser Typ.
Schau noch mehr auf diese Frau: Dann gibt es eine Witwe. Die Witwe hat trotz ihrer Ohnmacht aufgrund ihrer prekären Lebensumstände einiges drauf. Das gibt es immer wieder: Kleine wehren sich hartnäckig gegen die Großen. Sie wehrt sich. Alle Kleinen und Unterdrückten sollen sich wehren. Sie sollen, das will der Evangelist Lukas, ermutigt werden. Wer sich in diese Frau hineinversetzt und sich so klein arm und elend fühlt wie
sie der/die muss nicht ganz ohne Hoffnung bleiben. Den Mutlosen wächst Mut zu. Deshalb wird dieses Gleichnis erzählt: Den Armen eine frohe Botschaft. Aber der eigene Wille, ausgedrückt in der sprichwörtlichen, ja übertrieben dargestellten Hartnäckigkeit, das gehört auch dazu, wenn Du den Kopf nicht in den Sand stecken willst. Dranbleiben lohnt.
Schau hin, Gott ist gut. Bei ihm rennst Du offene Türen ein. Vom schlechten Beispiel des Richters ausgehend, schildert Lukas Gottes Verhalten. Nicht wie jener mit seinem schlimmen und willkürhaften Verhalten, das dazuhin nur den eigenen Vorteil sucht und sich möglichst wenig, auch nicht durch seine Arbeit als Richter stören lassen will, ist Gott einfach da. Er ist gut, uneigennützig, selbstlos. Gott ist die Liebe. Er will nicht recht
haben, sondern Glauben finden.

Und deshalb ist dem Beten nichts vorzuziehen. Aber es ist nicht immer ganz einfach. Oft fällt es mir schwer. Ermutige mich immerzu. Dir kann ich vertrauen. Herr lehre uns beten… Vater Unser

Nach dem Vater Unser Gebet kannst Du nochmals mit Nachdenken über diese Stunde mit der Schrift, mit Lukas, mit Jesus, mit seinem und Deinem Gott verweilen. Dazu einige Fragen:

  • Welche Erfahrungen habe ich mit dem Gebet?
  • Wie bete ich? Dankend, bittend, fürbittend für andere?
  • Es gibt christliche Gemeinschaften, die „nichts tun“, außer für andere zu beten. Wie sinnvoll ist das aus deiner Sicht?
  • „Beten hilft, es kann aber dauern…“ Werden Gebete erhört? Wie lange dauert das?
  • Wie werden Gebete von Gott erhört?
  • Was bedeutet es für Dich, dran zu bleiben, hartnäckig, nicht nachzulassen?
  • Wie geht es Dir, wenn alles ganz anders kommt, als du es gewünscht, erträumt, erbetet hast?
  • Lass dich vom betenden Jesus auch in bedrängendsten Situationen ermutigen.
  • Schau hin auf das, was ihn dabei trägt: Dass er zu Gott Vater sagt.
  • Auch Du kannst in diesen Raum der Freundschaft und vertrauten Gemeinschaft eintauchen, begründet hoffen, zuversichtlich glauben.

Zur Meditation: Beten heißt hören
Als mein Gebet
immer andächtiger und
innerlicher
wurde,
da hatte ich immer weniger und
weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde, was womöglich noch
ein größerer
Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber,
dass Beten nicht bloß Schweigen
ist,
sondern Hören.

So ist es:
Beten heißt nicht, sich selbst
reden hören.
Beten heißt
still werden und still sein und
warten,
bis der Betende Gott hört.

Søren Kierkegaard, (1813 - 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

(unter Zuhilfenahme des Arbeitsbuches 2020/2021 zur ökumenischen Bibelwoche)
Pfarrer Martin Schwer
katholische Seelsorgeeinheit Raum Oberndorf
Januar 2021

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Montag, 25.1.2021 Heilen und Danken

Lk 17,11-19 Heilen und Danken

Liebe Teilnehmende,

am heutigen Bibelabend zuhause, suchen Sie sich einen ruhigen Ort zum Zuhören/Lesen und Denken.

Um aufmerksam sein zu können, brauche ich….

  • einen Platz, an dem ich ganz da sein kann…
  • eine Kerze, die für mich brennt…
  • (m)eine Bibel für die Botschaft Jesu, der mir etwas sagen will.

Gebet:
Jesus, ich bin hier und möchte dir jetzt begegnen.
Ich möchte erfassen, was du mir mitteilen willst.
Öffne mich und schenke mir Augen, die genau hinschauen.
Schenke mir Ohren, die genau hinhören.
Schenke mir ein offenes Herz, so dass ich hin spüren kann auf deine Gegenwart.
Sei bei mir, bleib bei mir. Amen.

Corona bringt das Thema der ökumenischen Bibelwoche sehr ins Wanken. Begegnung ist nicht erlaubt- Abstand ist geboten. Wie geschieht Bewegung in der Zeit von Ausgangsperre? Wie kann Begegnung passieren, trotz Begegnungsverbot? 
Die Bibelstelle im Lukasevangelium zeigt verblüffende Parallelen zur heutigen Corona-Situation:

11 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
12 Kurz vor einem Dorf kamen ihm zehn Aussätzige entgegen; sie blieben in einigem Abstand stehen
13 und riefen laut: »Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!«
14 Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: »Geht und zeigt euch den Priestern!« Auf dem Weg dorthin wurden sie gesund.
15 Einer von ihnen kam zurück, als er sah, dass er geheilt war. Er pries Gott mit lauter Stimme,
16 warf sich vor Jesu Füßen nieder und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samaritaner.
17 Jesus aber sagte: »Sind denn nicht alle zehn gesundgeworden? Wo sind die anderen neun?
18 Ist es keinem außer diesem Fremden in den Sinn gekommen, zurückzukehren und Gott die Ehre zu geben?«
19 Dann sagte er zu dem Mann: »Steh auf, du kannst gehen! Dein Glaube hat dich gerettet.«

1. Nähe und Distanz
Diese Geschichte, in der Quarantäne und Isolation aufgrund von Krankheit eine große Rolle spielen, knüpft gerade an unsere persönliche Erfahrung an. Durch die Erfahrungen während der Corona-Pandemie können wir erahnen, wie sich das anfühlt. 

  • Wie sind meine Erfahrungen während der Corona-Zeit?
  • Wie fühlt sich der Lockdown für mich an?
  • Was vermisse ich?
  • Was fällt mir schwer?
  • Lassen sich meine Erfahrungen auf die Erfahrung der zehn Aussätzigen übertragen?
  • Was ist hier ähnlich, was ist anders?
    (Vielleicht hilft es, die Gedanken und Ergebnisse auf ein Blatt Papier aufzuschreiben)

Wir hatten immer vor Augen, dass unsere Quarantäne wieder vorbeigehen wird, und dass wir irgendwann zur Normalität des Alltags zurückfinden werden. Auch mit diesen Vorbedingungen war es schon schwierig genug und die Sehnsucht nach dem, wie es vorher war, war groß – vor allem natürlich bei Infizierten oder deren Angehörigen. Wir haben gelernt, Abstand zu halten; vor allem, um andere nicht zu gefährden. In dieser Geschichte ist die Frage nach Abstand, nach Nähe und Distanz, nach dem Überschreiten von Grenzen ein wichtiges Motiv: 
Jesus bewegt sich im Grenzland. Er ist ein Grenzgänger. Er überschreitet Grenzen.
Die Aussätzigen müssen auf Abstand bleiben, um niemanden anzustecken. Sie überwinden diesen Abstand zumindest teilweise, indem sie rufen. Jesus überwindet seinerseits den Abstand, indem er sie ansieht, Blickkontakt aufnimmt. Dann vergrößert sich der Abstand zwischen ihnen wieder. Die Aussätzigen gehen weg. Nur einer kommt Jesus wieder näher, und den schickt Jesus am Ende auch wieder weg.
Wäre er womöglich gerne näher bei Jesus geblieben? Jesus lässt auf seinem Weg immer wieder Menschen zurück, die durch ihn die Gegenwart des Reiches Gottes erfahren haben, aber nun in ihren Alltag zurückkehren. Sie sind dort Zeuginnen und Zeugen für die Gegenwart von Gottes Reich mitten unter ihnen, in ihrem Alltag.  Das ist für uns heute tröstlich. Nachfolge Jesu findet nicht nur in der Erfahrung von Heimatlosigkeit und Isolation statt.

Wenn ich das Bild von Christiane Oellerich betrachte:

  • Wie erlebe ich in diesem Bild Nähe und Distanz?
  • Wo, auf diesem Bild sehe ich Jesus?
  • Wie nah oder fern würde ich mich zu Jesus aufstellen?
  • Ist das für mich eine gute Distanz?
  • Oder wünsche ich mir, Jesus oder Gott näher zu sein?

Der Samaritaner wird von Jesus weggeschickt. Glauben kann auch in der Distanz zu Jesus gelebt und durchgehalten werden. In den Geschichten aus dem Lukasevangelium habe ich während dieser Bibelwoche schon sehr unterschiedliche Reaktionen von Menschen auf die Nähe zu Jesus Christus erfahren. Menschen, die uns in den biblischen Geschichten dieser Bibelwoche begegnen reagieren unterschiedlich: mit Dank, mit Gehorsam, mit Schweigen, mit Zuhören, mit Aktionismus, mit Erschrecken, mit einem Kniefall, mit Liebe, mit Tränen, mit Irritation, mit Abstand …

  • Wie nah sind die zehn Aussätzigen zu Anfang der Geschichte Jesus?

Sie nennen ihn „Meister“. Sie wissen etwas über ihm und sie erwarten etwas von ihm.

  • Sind sie ihm nah?
  • Bin ich ihm nah?

Offensichtlich kommt der eine samaritanische Aussätzige Jesus näher als die anderen. Nur ihm spricht Jesus zu, dass sein Glaube ihn gerettet habe.

  • Was meint Rettung hier im Unterschied zu Heilung?
  • Was unterscheidet den Glauben des einen von dem Glauben der neun anderen?
  • Wo sind die anderen?

Jesu Enttäuschung über das Fernbleiben der Neun können wir als Kirche durchaus nachvollziehen. Wir teilen seine Erfahrung. Dass nur ein Zehntel zu Jesus zurückkehrt, liegt doch noch weit unter den auch so schon dramatisch rückläufigen Kirchenmitgliedschaftszahlen.

  • Wie gelingt es mir, mit meiner Enttäuschung umzugehen?
  • Wie fühle ich mich?  Isoliert? Verlassen? Im Stich gelassen?
  • Wo sind die anderen Neun?
  • Was denke ich?
  • Wo sind die anderen Neun hingegangen?

Manfred Siebald spekuliert in seinem Lied „Zehn“ über die neun nicht zurückgekehrten: „Stürzten sich ins volle Leben. Holten, was sie konnten nach.“

  • Was denke ich: Gehen sie zu ihren Familien zurück?
  • Bleiben sie zunächst im Tempel?
  • Knüpfen sie wieder an ihrem alten Leben an?
  • Oder hat sich durch die Heilung in ihrem Leben etwas radikal geändert?

Der eine, der zurückkehrt, bringt dadurch zum Ausdruck, dass er sich von jetzt an Jesus verdankt. Sein Leben gehört untrennbar mit Jesus zusammen. Sie alle haben erlebt, was es bedeutet, dass Gottes Reich da ist. Aber er ist ein Bekenner und Zeuge des Reiches Gottes geworden. „Wieder einmal gehen Heilung und Glaube Hand in Hand. Wieder einmal meint Glaube hier nicht einfach irgendein altes Bekenntnis oder eine allgemeine religiöse Einstellung dem Leben gegenüber. Glaube ist die Überzeugung, dass der Gott des Lebens und des Todes in und durch Jesus am Werk ist. Glaube ist auch das Vertrauen, dass das nicht nur eine vage allgemeine Vorstellung ist, sondern dass es sich in diesem Fall, hier und jetzt bewahrheitet.“
(N.T.Wright, Lukas für heute, Brunnen-Verlag 2016, S.250f.)

Jesus schickt die Aussätzigen und auch den geheilten Samaritaner auf den Weg. „Geh los!“ ist die wichtigste Aufforderung in dieser Geschichte.  Sie fordert auch mich auf, darüber nachzudenken, wo ich gerade auf meinem Glaubensweg bin.

  • Bin ich stehengeblieben?
  • Eingeschlafen?
  • Bin ich auf dem Weg hin zu Jesus oder gerade auf einem Weg, der mich von ihm wegbringt?

Das Tröstliche am Bild des Wegs ist, dass wir nicht fertig oder bereits angekommen sein müssen. Es ist okay, auf dem Weg zu sein, auf der Suche, noch unterwegs, noch im Werden und Wachsen. Es ist sogar okay, sich im Moment von Jesus wegzubewegen, weil es immer möglich ist, dass der weitere Weg einen auch wieder zu Jesus hinträgt.

2. Wundergeschichten
Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist diese Geschichte durchaus aktuell, aber auch problematisch. Ein solches Heilungswunder hätten wir auch gerne in unserer aktuellen Situation erlebt. Aber die Scheu ist groß, auch nur darum zu beten, geschweige denn daran zu glauben, dass Gott tatsächlich der Corona-Epidemie Einhalt gebieten würde. Die Wundergeschichten des Neuen Testaments sind einerseits Quelle für Hoffnung und Glauben, andererseits aber auch Irritation und Herausforderung für einen Glauben an Jesus Christus. Das ist gut so. Ruben Zimmermann regt an, dass diese Texte gerade dann angemessen gelesen werden, wenn sie genau das dürfen: uns irritieren. Wundert euch mit diesen Texten! Lasst euch irritieren, fangt an zu staunen. Die Frage nach der Wahrheit der Wunder hat mit unserer Wahrnehmung zu tun. „Wer Gottes Handeln in der Welt verstehen will, der muss provoziert und aufgerüttelt werden. Die Wundererzählungen vermögen deshalb auch heute noch ihre Leser in Irritation und Staunen zu versetzen. Nur wer sich auf diese Störungen einlässt, wer mit ihnen lernt, sich wieder zu wundern, der kommt der Wahrheit näher.“ (so: Ruben Zimmermann, in: „Welt und Umwelt der Bibel“, 2/2015, Jesus der Heiler, S. 19)
Die Geschichte hat einen Rhythmus von Nähe und Distanz, von Unterwegssein, von Anrufen und Dankbarkeit. Die Männer erwarten Hilfe von Jesus. Sie schreien ihm ihre existentielle Not ins Gesicht: Kyrie eleison! Erbarme dich! Das ist ein Gebetsruf. Ein uneingeschränkt ehrlicher Gebetsruf schafft selbst in der größten Gottesferne noch die Nähe zu Jesus Christus. Zusammen mit dem Dank am Ende der Geschichte sind beide die Grundelemente christlichen Gebetes und Gottesdienstes. Im Gottesdienst gehen wir diesen
Glaubensweg aus der Ferne in die Nähe Jesu. So erfahren wir ein Stück der Wirklichkeit des Reichs Gottes mitten unter uns.

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.  aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 515 f

3. Kyrie
Im Kyrie legt man Gott alles in die Hände, was das Leben und den Glauben hindert. Damit gibt man es an Gott ab. Es steht nun nicht mehr zwischen Gott und einem selbst. Zugleich bringt man damit zum Ausdruck, dass man Gott zutraut, sich darum zu kümmern und das eigene Leben zu erhalten und in Ordnung zu bringen. Der Samaritaner dankt Jesus. Daraufhin sagt Jesus ihm, dass er gerettet ist. Der Dank spielt offensichtlich eine essenziell wichtige Rolle für den Samaritaner. Körperlich geheilt war er auch schon vorher. Nun ist er auch innerlich geheilt. Dank heilt die Seele. Er lenkt unsere innere Aufmerksamkeit auf das Gute, auf das Lebensspendende. Er gibt Gott die Ehre. Er gibt Gott Raum in uns. Der Dank bekennt, dass wir uns verdanken und wem wir uns verdanken. Das entlastet!

  • Wie fühlt es sich an: „Erbarme dich!“ zu beten?
  • Spielt es in meinem persönlichen Leben eine Rolle?
  • Kann ich überhaupt um Erbarmen bitten?
  • Welche Bedeutung hat für mich das Dankgebet?
  • Kann ich etwas damit anfangen, dass es heilsam ist für die Seele, sich im Danken zu üben, weil sich dann unsere Aufmerksamkeit auf das Gute und auf Gott richtet?

Ich kann mich als Leser dieser Geschichte in die Gemeinschaft derer einfügen, die sich auf den Weg zu Jesus machen, indem sie in Gebeten mit ihm reden. Im Kyriegebetkann ich einstimmen in den Ruf der Aussätzigen: Erbarme dich! Erbarme dich über Krankeund Ausgegrenzte, über Krankenhäuser, Pflegepersonal und Ärzte, über den schwachen Glauben, über den weltweiten Kampf gegen Corona, über Ärzte ohne Grenzen, über PolitikerInnen, die Verantwortung tragen und weitreichende Entscheidungen fällen … 

Im Gebet trete ich mit Gott in Kontakt 
Eine solche Gebetszeit kann auch im Stillen geschehen, mit leiser Musik im Hintergrund. Es ist aber eine besondere Erfahrung, wenn ich mich dazu ermutigt fühle, etwas von dem auszusprechen, wofür ich bitten oder wofür ich danken will. 
 „Herr, erbarme dich über …“, „Ich bitte dich …“, „Ich danke dir für …“, „Ich finde großartig an dir, dass du …“.

Alles Gute und Gottes reichen Segen!

Zum Lesen aufbereitet aus dem Arbeitsbuch zur ökumenischen Bibelwoche 2020/21 von Thomas Brehm, Diakon in der Seelsorgeeinheit „Raum Oberndorf“

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Donnerstag, 21.1.2021 Hören und Handeln

Lk 10,38-42 HÖREN UND HANDELN

Liebe Teilnehmende,

am heutigen Bibelabend zuhause, legen Sie den Putzlappen zur Seite und suchen Sie sich einen ruhigen Ort zum Zuhören/Lesen und Denken. Um aufmerksam sein zu können, brauche ich….

  • einen Platz, an dem ich ganz da sein kann…
  • eine Kerze, die für mich brennt…
  • (m)eine Bibel für die Botschaft Jesu, der mir etwas sagen will.

Meditation
(Wenn man zu zweit ist, dann kann die eine Person vorlesen und die andere zuhören)

Der Alltag hat mich fest im Griff. Ich spüre, wie die Anspannung noch in meinen Knochen sitzt. Vieles musste heute erledigt werden. Doch jetzt nehme ich mir Zeit, innezuhalten und ruhig zu werden.

Ich schließe meine Augen und lehne mich auf meinem Stuhl zurück. Ich atme tief ein und wieder aus. Ich stelle mir vor, wie ich an einem Strand stehe. Die Wellen kommen und gehen. Ich spüre den Wind auf meiner Haut, die Sonnenstrahlen, die mein Gesicht erwärmen. Der Horizont erstreckt sich vor meinem Auge, er weitet meinen Blick und zugleich grenzt er das Wasser vom Himmel in zwei unterschiedlichen Blautönen. Langsam drehe ich mich um und sehe auf den Strand, der sich rechts und links von mir erstreckt. Kleine und große Steinhaufen tümmeln sich auf dem Sand. Links neben mir liegen viele größere und kleinere flachrunde Steine. Ich beuge mich hinunter und hebe Stein für Stein auf und denke dabei an die kleinen und großen Aufgaben, die ich heute erlebt habe. Langsam mit jedem Handgriff wächst der Turm. Der Berg an Erlebnissen steht vor mir. Fest und ausbalanciert. Kein Stein droht zu rutschten, der Turm steht solide vor mir. Einige Steine liegen noch neben mir. Ich lasse diese dort, wo sie sind. Ich betrachte den Steinhaufen mit seinen unterschiedlichen Farben, Formen und Größen. Langsam hebe ich die Augen und schaue auf den Horizont. Langsam geht die Sonne unter. Die Sonne bricht sich durch die Wolken.

Achte auf deinen Atem und atme tief ein und aus. Komme langsam zurück, bewege langsam Finger und Zehen. Öffne die Augen. Sieh auf deine Kerze. Schlage nun deine Bibel auf.

Maria und Marta – Lukas 10,38-42

Als sie weiterzogen, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Das Zünglein an der Waage – Bild und Text im Gespräch

Das Gleichgewicht zwischen Schwere und Leichtigkeit, zwischen Irdischem und Transzendenz:
Die Künstlerin schafft es, mit ihrer Farbwahl all dies auszudrücken. Ich habe den Eindruck, als könnte das starke Orange und kräftige Blau die leichten Weiß- und Goldtöne ins Kippen bringen. Wenn wir nun dies Bild von Christiane Oellerich auf dem Hintergrund des Lukastextes betrachten, erkennen wir in der Figur vor der Waage Jesus.
Er wird gefragt.
Er soll abwägen und damit abwiegen.
Er soll entscheiden.
In der linken oberen Figur wird Marta verkörpert. Sie machte sich viel zu schaffen, um ihre Gäste zu bewirten. Sie wirbelte in der Küche und im Esszimmer und und und. Ich denke, wir kennen alle dieses Wirbeln. Auf der anderen Seite des Waagearmes steht Maria. Sie ist ganz ruhig und hat nichts Wirbelndes. Sie hört zu und lernt von Jesus. Sie saugt seine Lehre auf und wird so von seinem Licht erfüllt.
Marta will nun von Jesus den Vergleich, das Abwiegen. Sie ist dabei sicher, dass sie im Gegensatz zu ihrer Schwester das Richtige tut und deswegen die Waage zu ihren Gunsten ausschlagen wird. Und Jesus wägt und wiegt ab. Er erkennt Martas Sorgen und Mühe und zollt ihr Anerkennung. Aber erkennt auch Marias Hören und zollt ihr Anerkennung. Er hält die Waage im Gleichgewicht. Dabei ist es nicht Martas Aktivität, sondern Martas Klage, die er zurückweist.
Das Bild zum Text lässt mich nachdenklich werden: Gerade die, die sich im Recht glaubt, gefährdet das Gleichgewicht. Wie oft erlebe ich das im Alltag: Das Problem geht von dem aus, der mit dem Finger vorwurfsvoll auf andere zeigt. Aber das ist nicht die zentrale Aussage des Textes. Die Erzählung von Maria und Marta will vielmehr eine Botschaft in den Fokus stellen: Die Urteilsfähigkeit des Menschen im Umgang mit dem Heiligen. Marta steht für die Kraft, die das Heilige in der Person Jesu zu sich holt –  ihm Raum schenkt. Für den äußeren Rahmen sorgt. Doch dies ist nicht ausreichend, wenn ihr Herz wie das aus der Geschichte vom Sämann ist: Wenn die Worte Jesu zwar hineinfallen –  aber von den Dornen der alltäglichen Sorgen erstickt werden. Maria hingegen weiß, wann es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen. Die Alltagssorgen zur Seite zu schieben. Bei Jesus anzukommen. Zu Hören. Dem Außeralltäglichen Raum zu geben.
Von Meister Eckhart stammt ein dafür treffendes Zitat: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“ 
Zeit: Gegenwart, Fokus: Gegenüber, oberste Direktive: Liebe steht über allem –  all dies hat Maria wortlos im Blick. Der Mensch soll mit Martas Händen und Verstand wirken, im Herzen aber Maria sein.

Gebet

Herr der Töpfe und Pfannen

Herr der Töpfe und Pfannen,
ich habe keine Zeit, eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren
in der Morgendämmerung und im stürmischen Horizont.
Mach mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite und Teller wasche.
Nimm an meine rauen Hände,
weil sie für Dich rau geworden sind.
Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie hervorbringt
auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen und ach so abscheulich!
Hörst du, lieber Herr, die Musik, die ich meine?
Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr vom Abendessen gespült habe,
und dann bin ich sehr müde.
Wenn mein Herz noch am Morgen bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr, Dein unermüdliches Herz,
dass es in mir arbeite statt des meinen.
Mein Morgengebet habe ich in die Nacht gesprochen
Zur Ehre Deines Namens.
Ich habe es im Voraus Gebete für die Arbeit des morgigen Tages,
die genau dieselbe sein wird wie heute.
Herr der Töpfen und Pfannen,
bitte, darf ich Dir anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten, die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz und angebrannten Gemüsetöpfen?
Erinnere mich an alles, was ich vergesse:
nicht nur um Treppen zu sparen,
sondern dass mein vollendet gedeckter Tisch ein Gebet werde.
Obgleich ich Marta-Hände habe,
hab‘ ich doch ein Maria Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr, Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran, wie sie auf Erden gewandelt sind,
wenn ich den Boden schrubbe.
Herr, nimm meine Betrachtung an,
weil ich keine Zeit habe für mehr.
Herr, mache Dein Aschenbrödel
Zu einer himmlischen Prinzessin;
Vergib mir, dass ich mich absorge,
und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Erwärme die ganze Küche mir Deiner Liebe
Und erleuchte sie mit Deinem Frieden.

Teresa von Avila

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Mittwoch, 20.1.2021 Geben und vergeben

Lk 7,36-50 GEBEN UND VERGEBEN

Liebe Teilnehmende

Am heutigen Bibelabend zuhause, heuteladen wir Sie zu einem Gastmahl ein, bei dem Jesus Ehrengast ist. Um das Mahl gut halten zu können, brauche ich…

  • einen geeigneten Platz zum Sitzen und lesen….
  • eine Kerze, die den Tisch schmückt…
  • meine Bibel, die ich dazulege.

Bei diesem Fest sind noch viele weitere Personen anwesend, unter ihnen kennst du Simon, der Pharisäer, und Jesus. Während des Festes passiert etwas unerwartetes. Lies selbst… (Lk 7,36-50)

Einer der Pharisäer hatte Jesus zum Essen eingeladen. Und er ging in das Haus des Pharisäers und begab sich zu Tisch. Und siehe, eine Frau, die in der Stadt lebte, eine Sünderin, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers zu Tisch war; da kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl und trat von hinten an ihn heran zu seinen Füßen. Dabei weinte sie und begann mit ihren Tränen seine Füße zu benetzen. Sie trocknete seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, sagte er zu sich selbst: Wenn dieser wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, die ihn berührt: dass sie eine Sünderin ist. Da antwortete ihm Jesus und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, schenkte er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr geschenkt hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht geurteilt. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser für die Füße gegeben; sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und sie mit ihren Haaren abgetrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; sie aber hat, seit ich hier bin, unaufhörlich meine Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haupt mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Balsam meine Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der liebt wenig. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da begannen die anderen Gäste bei sich selbst zu sagen: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!

  • Welche Eigenschaften oder Charakterzüge würdest du den handelnden Personen – Simon, Jesus und der Frau – zusprechen?
  • Gibt es eine Person, der du dich momentan zuteilen würdest?

Wer ist Jesus?

In dieser Bibelstelle wird diese Frage von den verschiedenen Personen unterschiedlich beantwortet, so spricht ihn Simon als „Meister“ an, d.h. er ist für ihn ein ernst zu nehmender Lehrer. Ob er für ihn aber ein Prophet ist, bleibt für Simon eher fraglich, denn dann müsste er sich doch von Sünder*innen fernhalten oder sie zumindest zurechtweisen!

Wer ist die Frau?

Die Titulierung „Sünderin“ lässt bei uns gleich ein festgefahrenes Bild aufblitzen. Eine Hure, eine Prostituierte, ein leichtes Mädchen, wahrscheinlich Maria Magdala. Doch wo steht, dass sie Prostituierte ist? Wo steht, dass es sich um Maria Magdala handelt? Auch wenn es sich in Joh 12,3 um eine ähnliche Geschichte handelt, ist es nicht gesetzt, dass es sich auch bei Lukas um eben jene Frau geht. Sie ist gefangen genommen in eine festgeschriebenen, in einem System von Ausgrenzung. Doch wer ist diese Frau?

Diese Frau „ist eine vorbildlich Glaubende. Sie liebt so sehr, weil sie glaubt von Jesus angenommen zu werden. Sie vertraut der Kraft des Heils, das von ihm ausgeht. Sie ist sich ihres verfehlten Lebensstils bewusst und beweint ihr Leben. Trotzdem oder deshalb sucht sie die Nähe Jesu. Es ist wichtiger, mit Jesus in Kontakt zu kommen, als sich in der Schuld zu verschließen und damit allein zu bleiben – dort, wo die anderen sie haben sollen und wo die Sünder alle Menschen will.“ (Christiane von Boehn)

Jesus und die Frau kommen sich sehr nahe. Skandalös ist es, dass sie ihr Haar öffnet vor allen, dass sie mit Tränen die Füße Jesu benetzt und dass sie zudem diese noch küsst, mit ihren Haaren trocknet und sogar einsalbt. Näher ging es damals nicht. Und Jesus? Das Ziel seines Lebens wird deutlich: Er möchte allen Menschen diese Nähe anbieten, er möchte, dass alle Menschen ihm ganz nah kommen.

  • Wenn jemand mit Tränen meinen Füßen nahe kommen würde, wie würde ich reagieren?
  • Wer darf mir überhaupt mit Tränen nahe kommen?
  • Wem zeige ich meine Tränen?
  • Wie zeige ich Jesus meine Liebe, meinen Glauben?
  • Welche körperlichen Formen der Anbetung kenne und mag ich? Tanzen, pilgern, Yoga, Klänge, Gerüche, Musik?
  • Wäre ich bereit, mal Neues, Gefühlbetonteres, Körperorientiertes auszuprobieren?
  • Wie finden Freude und Liebe zu Gott einen Ausdruck in meinem Leben? Gibt es hierfür einen Raum?

Lied: Mit Leib und Seele, sich an Gott wenden und in Vertrauen singen.

Wer ist Simon?

Simon ist von der Gnade und Großzügigkeit Jesu herausgefordert. Er stellt sich das Reich Gottes als einen Bereich vor, zu dem Sünder (und vor allem Sünderinnen) keinen Zutritt haben. Für ihn ist völlig klar, dass jemand, der so lebt wie diese Frau, nicht mit dem Reich Gottes zu tun hat. Für ihn ist klar: Halte dich von Sünder*innen fern, weil Gott sich von ihnen fernhält. Wer nicht der Norm entspricht, gehört nicht zu Gott.

Auch wir leben noch in einer Zeit, in der Menschen ausgegrenzt werden, weil ist nicht der kirchlichen Norm entsprechen, insbesondere aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Was nicht dem Zölibat oder der ehelichen Vorgaben entspricht, fällt aus dem Raster, hat keinen Platz.

Jesus führt Simon vor Augen, dass ihn eine Sache mit der Frau verbindet. Simon und die Frau sind beide sündig! Er ist so sehr dabei, sich von ihr abzugrenzen, um seine Rechtschaffenheit zu bewahren, dass er gar nicht bemerkt, dass sie beide von Gott mit Vergebung beschenkt werden. Im Gegensatz zu ihm, sieht die Frau, dass sie sich der Gnade Gottes verdankt, und ist von Herzen dankbar dafür. Jesus sagt sogar, dass Simon von dieser Frau lernen kann, was Liebe ist, von der einen Frau, von der sich Simon gerade beim Thema Liebe unbedingt fernhalten wollte.

Ist das Thema Liebe für ihn hier aber zu brisant, dann kann er sich von einer anderen Seite dieser annähern, nämlich durch das schillernde Dreieck „Liebe – Vergebung – Glaube“. Simon kann wahrnehmen, dass Gott ihm Vergebung anbietet. Er kann lernen, selbst zu vergeben und großzügiger zu werden. Vielleicht wächst er so auch in die Liebe hinein.

Gebet:

Der einzige Freund
[…]
die Frau mit dem Salböl lässt mich nicht los
die namenlose
wen so nackt die Gier berührt
so ausschließlich
unberührbar wird er als Mensch für
die anderen Mensch
keines Freundin
keines Gast
keine Frau mit den Frauen
[…]
verschüttet Quellen brechen hervor
waschen sie und des Rabbis Füße
sie webt ihm das Tuch aus ihrem Haar
ihre Lippen legen bittend alle Küsse
auf seine Schritte
ihre Hände salben mit duftende Liebe
seine menschenfreundliche Wanderschaft

er lässt sie gewähren
ihre wahres Leben erwachen
er nimmt ihre Gaben dankbar an
stellt den Hochmut der Frommen zur Rede
sein Blick rührt die Unberührbare an
gibt ihr Ansehen vor den Selbstgerechten

als sie geht
bleibt er bei ihr
der einzige freund
genügt

Ein Impuls von PA Hannah Schädel (nach Vorlage von Wolfgang Baur)

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Dienstag, 19.1.2021 Rufen und berufen

Lk, 5,1-11 Rufen und berufen

Lieber Teilnehmer, lieber Teilnehmerin
am heutigen Bibelabend zuhause Zugänge zum Lukasevangelium wollen uns die zwei Bibelwochen, die wir geplant haben ermöglichen. Zugänge, das Wort Gottes zu hören, so fängt die Perikope auch an, die heute Thema ist.

  • Zunächst aber versuche ich zur Ruhe zu kommen
  • Ich zünde eine Kerze an
  • Ich habe eine Bibel und lege sie dazu

Der Kanon zur Bibelwoche – gelesen oder gesungen – stört nicht die Ruhe. Aber bringt meine Ruhe in Bewegung. Ich erinnere mich an den oft gehörten Spruch: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Die Kraft, sich aus dem Gewöhnlichen herauszubewegen, die Kraft zur Bereitschaft, Neues an mich heranzulassen, die Kraft zum (inneren) Aufbruch:

Gebet
Hier bin ich. Ich nehme mir Zeit, Dir zu begegnen,
Deinem Wort.
Im Schweigen und Hören wird es lebendig.
Ich nehme mir Zeit,
Dich zu hören,
dein Wort,
Deinen Ruf.
Zeige mir, was mich hinzieht zu Dir.
Auch will ich hinschauen, was mich abhält davon.
Bring mich in Bewegung,
Gott und den Menschen zu dienen,
dass auch durch mich wahr wird:
Ehre sei Gott und Friede den Menschen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Schlagen Sie Ihre Bibel auf, den Text zu lesen: Lk 5,1 – 11
Es geschah aber: Als die Volksmenge Jesus bedrängte und das Wort Gottes hören wollte, da stand er am See Gennesaret 2 und sah zwei Boote am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3 Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. 4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen. 6 Das taten sie und sie fingen eine große Menge Fische; ihre Netze aber drohten zu reißen. 7 Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und füllten beide Boote, sodass sie fast versanken. 8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh weg von mir; denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! 9 Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten; 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. 
Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie zogen die Boote an Land, verließen alles und folgten ihm nach. [Einheitsübersetzung2016] 

Gedanken dazu:
Jesus stand am Ufer des Sees Genesaret, eine große Menschenmenge drängte sich um ihn und wollte das Wort Gottes hören (Lk 5,1).
Dann geht´s so weiter. Er nimmt sich ein Boot wegen der großen Menge, die sich für ihn interessiert und predigt er von dort aus.

Das Boot wird zum „Lehrstuhl“ seiner Worte. 

Dann bald ein Gespräch mit dem Bootseigner, mit Simon. Vergeblich haben er und seine Gefährten die ganze Nacht gefischt – jetzt kommt so viel ins Netz, dass Mitanpacken angesagt ist:
Wenn Aufgaben anstehen, gilt es mitanzupacken. So bindet Lukas von Anfang an Menschen wie Simon und seine Gefährten ein. Mitanpacken, so machen sie es mit dem Netz – das zuvor die ganze Nacht lang leer blieb und wo sie sich die ganze Nacht lang vergeblich gemüht haben.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn! (Ps121)
Diese „Lehre“ für´s Anpacken, Mühen und Tun.
Keine Angst, erschrick nicht,
wenn Du
- zwischen Frust und voller Fülle;
- zwischen Vergeblich und versöhnlich (es hat gerade doch noch gut geklappt);
- zwischen „Ich schaff es nicht!“ und „es ist mir doch gelungen“ stehst und so hin- und her geworfen bist.
Da ist einer, der nicht nur predigt, sondern sich zuwendet und zum Mittun animiert. Seine Worte sind wirkmächtig, sie bewirken etwas. Sie bewirken, dass Menschen sich bewegen. Da ist einer, der bewegt dich - nicht mehr hin und her – sondern in eine klare Richtung: von jetzt an, pack´s an, hab keine Angst, beweg dich, Du kannst es, du schaffst es. So fängt für Simon, aber nicht nur für ihn allein in neues Leben an. 

DU GOTT DER ANFÄNGE, 
segne uns, wenn wir deinen Ruf hören, 
wenn deine Stimme uns lockt
zu Aufbruch und Neubeginn. 

Du Gott der Anfänge, 
behüte uns, wenn wir loslassen 
und Abschiednehmen, 
wenn wir dankbar zurückschauen 
auf Segen und Ernte der gemeinsamen Zeit.

Du Gott der Anfänge, 
lass dein Angesicht leuchten über uns, 
wenn wir in Vertrauen und Zuversicht 
einen neuen Schritt wagen 
auf dem Weg unseres Glaubens. 

Du Gott der Anfänge,
sei uns gnädig, wenn uns Angst befällt
vor dem Tor in ein unbekanntes Land,
wenn wir Schutz suchen bei dir
vor den Stürmen der Nacht.

Du Gott der Anfänge,
lege dein Angesicht auf uns,
wenn unser Herz sich sehnt
nach Wärme und Glück,
nach Freundschaft und Begegnung.

Lass den Segen deines Lichtes mit uns sein.
Du Gott der Anfänge,
schenke uns Frieden,
schenke uns deinen Segen -
Amen!

Aaronsegen, Irischer Segensspruch

(Pfarrer Martin Schwer, Oberndorf)

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Montag, 18.1.2021 Hüpfen und Hoffen

Hüpfen und Hoffen - Impuls zur Bibelstunde

1. Lesen Sie die schöne Geschichte mitsamt dem Lobgesang - Lukas 1, 39-56 - auch wenn Sie sie schon kennen in der Ihnen vertrauten Bibelübersetzung noch einmal durch. Wenn Sie die Geschichte noch nicht kennen lesen Sie das ganze erste Kapitel des Lukasevangeliums, man muss ja schließlich wissen, warum es zu dieser Begegnung der beiden Frauen kommt.

2. Verabschieden Sie für Ihre persönliche Bibelstunde einmal die Frage, wie es denn historisch wohl gewesen ist mit der Geburt von Jesus von Nazareth, denn darauf erhalten Sie auch im Lukasevangelium nur sehr bedingt eine Antwort. Stellen Sie sich mit Lukas lieber einmal die Frage, wie man das denn erzählen könnte, dass nun in diesem Jesus von Nazareth sich erfüllt hat, wozu uns das Alte Testament bewegt hat, darauf zu hoffen: der von Gott gesandte Heiland ist zu uns gekommen!

3. Zu uns kommt Gott, deshalb bekommen wir hier gleich zwei Personen vorgeführt, mit denen wir uns identifizieren können. Zwei an sich eher unscheinbare Personen: ein junges Mädchen (mit einem „Allerweltsnamen“ schon damals) und eine alte Priestergattin (auch noch unfruchtbar) Zu denen kommt Gott, die werden vom Geist erfüllt und glauben. Wer sich da nicht drin wiederfindet, denkt vielleicht ein bisschen zu groß von sich selbst.

4. Zwei kleine persönliche Erinnerungen an diese Geschichte: Sie sind interessanter Weise so, dass viele Menschen ähnliche Erinnerungen haben, denn das eine ist nur eine bildliche Darstellung der Szene, wie es sie ja zu Hauf gibt (kürzlich erst auf einer Briefmarke), aber sie ist eben aus meiner Heimatstadt Reutlingen. Die andere Erinnerung ist eine musikalische, die so ja auch viele Menschen haben. Seit 1575 singt man das Lied von L. Helmbold (Text) und Johann Eccard (Musik) in vielen Chören: 
„Übers Gebirg Maria geht“ (Wenn Sie das nicht kennen, googeln Sie das mal.)
Es sind 5 Stimmen und es ist nicht so, dass nur eine die Melodie hätte und die anderen wären halt Beglei-tung, sondern jede Stimme hat da ihren eigenen kleinen Auftritt, auf den müssen die anderen warten, bevor sie selbst wieder einsetzen; ein tolles Erlebnis das zu singen.

5. Machen Sie ihre eigenen Entdeckungen beim Lobgesang in der Übersetzung von Martin Schraufslettner (mir gefällt ja, wie er Luthers „Gottesfurcht“ übersetzt). Ein hinreißendes Lied - selig ist, wer mit Maria in diesen „Chor“ einstimmen darf. 

(Pfarrer A. Beck, Trichtingen)

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Magnificat (Lobgesang der Maria Lk 1, 46-55)

Meine Seele erhebt den Herren *
und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;

denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. *
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.

Denn er hat große Dinge an mir getan, *
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht *
bei denen die ihn fürchten.

Er übet Gewalt mit seinem Arm *
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. 

Er stößt die Gewaltigen vom Thron *
und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern *
und lässet die Reichen leer ausgehn.

Er gedenket der Barmherzigkeit *
und hilft seinem Diener Israel auf,

wie er geredet hat zu unsern Vätern, *
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist *
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Ein Lied zum Magnificat von Martin Schraufsletter

Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Retter.
Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Heil.

Laut rühmt meine Seele Gottes Macht und Herrlichkeit,
und mein Geist frohlockt in meinem Retter und Herrn.
Denn sein Auge hat geschaut auf seine kleine Magd,
und nun singen alle Völker mit mir im Chor. 

Denn der Starke hat Gewaltiges an mir getan
und sein Name leuchtet auf in heiligem Glanz.
Er gießt sein Erbarmen aus durch alle Erdenzeit
über jeden, der im Herzen Vater ihn nennt.

Große Taten führt er aus mit seinem starken Arm.
Menschen voller Stolz und Hochmut treibt er davon.
Die die Macht missbrauchen, stößt er hart von ihrem Thron
und erhebt, die niedrig sind und arm in der Welt.

Hungernde lädt er zum Mahle ein an seinen Tisch;
doch mit leeren Händen schickt er Reiche nach Haus.
Seines Volkes Israel nimmt gütig er sich an,
wie er Abraham und allen Vätern verhieß.

Ehre sei dem Vater, der uns einlädt in sein Reich,
Ehre sei dem Sohne, der die Liebe uns zeigt.
Ehre sei dem Geiste, der die Einheit uns verleiht,
wie im Anfang, so auch jetzt und für alle Zeit.

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